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Erklaerministerium

So, ihr Untertanen. Da ich keinen Ministerposten abbekommen habe, sah ich mich gezwungen, ein neues Ministerium zu schaffen, damit ich auch einen gut bezahlten Job bekomme, hehe. Ich begrüße Euch hiermit zum Internetauftritt des Erklärministeriums. Unsere Aufgabe ist es, der dummen Bevölkerung, also Euch, Begriffe zu erklären, mit denen wir derzeit gerade so gerne um uns werfen. Nun aber genug der Vorrede, schliesslich kostet mich mein Schreiberling einen Euro in der Stunde!

BÜRGERARBEIT

Eine verwirrende Worterfindung von Arbeitsministerin Ursula Von der Leyen ist die sogenannte „Bürgerarbeit“. Da in den Genuss selbiger ausschliesslich Hartz-IV-Empfänger kommen, drängt sich die Frage auf, ob denn alle Menschen in diesem Land, die keine AlgII-Leistungen empfangen überhaupt keine Bürger sind. Treffender müsste es also wohl „Hartz-IV-Arbeit“ heissen. Nun ja es wird die Bürgerarbeit noch nicht einmal für alle Leistungsempfänger geben. Nur wer innerhalb einer sechsmonatigen „Aktivierungsphase“ mit intensiver aktiver Vermittlung seitens der Sachbearbeiter nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt untergebracht werden kann, wird in eine Bürgerarbeitsmassnahme gesteckt. Moment mal – aktive Vermittlung durch den Sachbearbeiter? Was war denn bisher auf dem Tagesplan, passive oder gar keine Vermittlung etwa? Oder waren die Sachbearbeiter bisher so sehr mit der Verhängung von Sanktionen beschäftigt, dass sie einfach keine Zeit für die „intensive aktive Vermittlung“ in Arbeit hatten?

Aber jetzt bloss keine Angst haben, es würde Ihnen der Spass beim Beschimpfen der AlgII-Empfänger vergehen – die Bürgerarbeitler sind immer noch von Staatsgeldern bezahlt, es ändert also nichts daran, dass man sie als faules, auf Staatskosten lebendes Pack bezeichnen darf. Glück gehabt, was? Kritische Zeitgenossen mögen sich fragen, wo denn da der Einspareffekt bestehen soll, und richtig, auf den ersten Blick existiert dieser gar nicht. Allerdings holen wir uns einen großen Teil der Bezahlung der Bürgerarbeiter (600 Millionen Euro) von Fördergeldern der EU wieder rein – warum diese sogar so einen Schwachsinn mit so viel Geld fördern kann, bleibt dem denkenden Wesen schleierhaft.

Der Bürgerarbeiter soll als Lohn für seine Arbeit brutto 900 Euro bekommen – was kann es schöneres geben, als gezwungenermassen für Vater Staat zu einem Hungerlohn zu arbeiten? So etwas kennt man doch sonst nur aus Ländern wie dem kommunistischen China. Natürlich sollen durch die Bürgerarbeit keine regulären Jobs verdrängt werden (prust!), was ja schon bei den sogenannten 1-Euro-Jobs (in Fachkreisen auch Arbeitsgelegenheiten genannt) hervorragend geklappt hat.

Wir warten gespannt auf weitere lustige Vorschläge wie zum Beispiel Arbeitslager für die Bürgerarbeiter oder eine „Bürgerlegion“ für unsere Bundeswehr.

LEISTUNG

In der veralteten Bedeutung hatte Jemand etwas geleistet, wenn er durch Aufwand von Zeit und/oder Arbeit etwas auf die Beine gestellt hatte. Diese Beschreibung ist allerdings schon längst überholt. Leistung wird heutzutage mit Macht und Reichtum gleichgesetzt (siehe auch unter „Leistungsträger“). Wie Jedermann weiss ist Leistung schliesslich nur lebensfähig, wenn sie sich bei wenigen Leistungsträgern konzentriert, da sie sonst an akuter Vereinsamung dahinsiecht.

LEISTUNGSTRÄGER

Wie der Name schon suggeriert, tragen Leistungsträger Leistung mit sich herum. In der Regel befindet sich die Leistung im Portemonnaie – zumeist in Form von Kreditkarten – oder als Schmuck und edle Kleidung am Körper. Gerne fährt der Leistungsträger auch mal in der Leistung (verkörpert als teure Nobelkarosse) umher, anstatt sie zu tragen. Es existieren mannigfaltige Veriationen von Leistungsträgern. So gibt es zum Beispiel Leistungsträger, die ihren Beschäftigen Hungerlöhne zahlen, damit noch mehr Leistung übrigbleibt, die sie dann tragen können. Andere Leistungsträger geben in den Medien immer wieder überaus schlaue Kommentare zu unseren Problemen von sich. Besonders beliebt ist es dabei, den Nicht-Leistungsträgern gehörig ins Gewissen zu reden und ihnen zu erklären, warum sie für die wichtigen Leistungsträger doch bitte auf eine anständige Entlohnung oder gar ein würdiges Leben verzichten müssen. Andere Leistungsträger verdienen ihren Namen wirklich, tragen sie doch ganz, ganz viel Leistung in Steueroasen. Sie leisten somit einen nicht unerheblichen Anteil zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Leistung bei, wird diese bei uns doch gnadenlos vom Finanzamt gejagt und der Allgemeinheit (die hauptsächlich aus Nicht-Leistungsträgern besteht) zur Verfügung gestellt.

WERTPAPIER

Das Wertpapier kann man vornehmlich im kuscheligen Depot in Rudeln anfinden. Der Name ist leider sehr irreführend – im Gegensatz zu Butterbrotpapier, Klopapier oder Schleifpapier trifft er in diesem Fall nämlich oft nicht zu. Das Wertpapier ist nämlich immer nur das Wert, was die Besitzer und Händler glauben, dass es wert ist. Eine Art Finanzplacebo sozusagen. Zumal es in der Regel nicht einmal aus Papier sondern aus elektronischen Nullen und Einsen besteht. Da praktisch jeder Depp Wertpapiere ausgeben darf, kann ist eine hundertprozentige Katalogisierung nicht vorgenommen werden.

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  1. Ray / Jun 8 2011 14:55

    Manche Dinge kann man eben sehr einfach erklären. Danke!

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