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2010/07/29 / halbnachvoll

Überflüssiger Kündigungsschutz


Es gibt schon so einige Schlaumeier, die ganz tolle Vorschläge für die Wirtschaftspolitik in Deutschland haben. In der Regel profitieren bei deren Umsetzung nur sie selbst und Ihresgleichen, aber hey – es kann ja nicht Allen gut gehen! Schon gar nicht in einer Krise. Nein, wir meinen nicht die Krise, die Sie jeden Tag bekommen, wenn Sie auf ihr Konto oder in die Tageszeitung schauen, sondern die Wirtschaftskrise, Sie Eumel! Ein großes Teilproblem unserer Gesellschaft ist dabei die Arbeitslosigkeit. Gott sei Dank gibt es ja spezialisierte Schlaukopf-Experten (dies ist meines Wissens nach der Fachausdruck für solcherlei Geschmeiss), die in nie enden wollender Aktivität ihre Ansichten meist verbal in die Öffentlichkeit erbrechen. Zu jenen possierlichen Exemplaren unserer Gattung zählt wohl auch DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Im Qualitätsschundblatt „BILD“ macht er fünf phantastische „Forderungen“, die wir nur zu erfüllen brauchen, damit die Wirtschaft wieder so richtig in Schwung kommt – also zumindest für Hans Heinrich und seine Kumpels – und glauben Sie mir, Sie gehören bestimmt nicht dazu!

Darunter befinden sich zum Beispiel Evergreens wie die Forderung, den Kündigungsschutz doch bitte zu lockern – konkret soll der Schutz statt wie bisher bei Betrieben ab 10 Mitarbeitern erst bei solchen ab 20 Mitarbeitern greifen. Die Begründung ist hier wieder einmal sehr platt: Es gibt doch so viele Betriebe mit zehn Mitarbeitern, die gerne einen elften einstellen wollen, sich das aber wegen des „verschärften“ Kündigungsschutzes nicht trauen. Denn dann dürfen sie die Leute nicht einfach planlos auf die Strasse werfen, was für eine Frechheit aber auch! Ich finde, Hans Heinrich vernachlässigt aber hierbei ganz deutlich die Betriebe mit 20 Mitarbeitern, die gerne einen 21. einstellen wollen. Wie man sieht, greift das Argument bei praktisch jeder Betriebsgröße und kann somit endlos weiter gesponnen werden, bis man den Kündigungsschutz gleich ganz aufheben kann.

Oder der hier: Betriebe sollen ihre gut ausgebildeten Kräfte kündigen und ohne Verzögerung wieder einstellen können, diesmal aber befristet, versteht sich. Im Klartext: Stellen Sie sich vor, sie sind ein gut ausgebildeter Facharbeiter mit einer Festeinstellung. Wenn sie jetzt in einem der obengenannten Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern arbeiten, so kann Sie der Chef nach Hans Heinrichs Vorstellungen einfach grundlos kündigen und ohne nennenswerten Abstand wieder befristet einstellen. Dieses Spielchen darf er dann je nach Bedarf in einer Endlosschleife wiederholen. Da kommt doch Freude auf, oder? Wie bitte, ich höre Beschwerden? Das ganze undankbare Pack soll doch froh sein, dass solch tolle Arbeitsplätze geschaffen werden, zumindest solange sie genug Profit abwerfen. Wenn Sie gerade nicht gebraucht werden, kann man Sie dann immer noch kurzerhand rauswerfen und als faules, arbeitsscheues Gesindel beschimpfen…

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