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2010/07/29 / halbnachvoll

Bürgerarbeit, die


Eine verwirrende Worterfindung von Arbeitsministerin Ursula Von der Leyen ist die sogenannte „Bürgerarbeit“. Da in den Genuss selbiger ausschliesslich Hartz-IV-Empfänger kommen, drängt sich die Frage auf, ob denn alle Menschen in diesem Land, die keine AlgII-Leistungen empfangen überhaupt keine Bürger sind. Treffender müsste es also wohl „Hartz-IV-Arbeit“ heissen. Nun ja es wird die Bürgerarbeit noch nicht einmal für alle Leistungsempfänger geben. Nur wer innerhalb einer sechsmonatigen „Aktivierungsphase“ mit intensiver aktiver Vermittlung seitens der Sachbearbeiter nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt untergebracht werden kann, wird in eine Bürgerarbeitsmassnahme gesteckt. Moment mal – aktive Vermittlung durch den Sachbearbeiter? Was war denn bisher auf dem Tagesplan, passive oder gar keine Vermittlung etwa? Oder waren die Sachbearbeiter bisher so sehr mit der Verhängung von Sanktionen beschäftigt, dass sie einfach keine Zeit für die „intensive aktive Vermittlung“ in Arbeit hatten?

Aber jetzt bloss keine Angst haben, es würde Ihnen der Spass beim Beschimpfen der AlgII-Empfänger vergehen – die Bürgerarbeitler sind immer noch von Staatsgeldern bezahlt, es ändert also nichts daran, dass man sie als faules, auf Staatskosten lebendes Pack bezeichnen darf. Glück gehabt, was? Kritische Zeitgenossen mögen sich fragen, wo denn da der Einspareffekt bestehen soll, und richtig, auf den ersten Blick existiert dieser gar nicht. Allerdings holen wir uns einen großen Teil der Bezahlung der Bürgerarbeiter (600 Millionen Euro) von Fördergeldern der EU wieder rein – warum diese sogar so einen Schwachsinn mit so viel Geld fördern kann, bleibt dem denkenden Wesen schleierhaft.

Der Bürgerarbeiter soll als Lohn für seine Arbeit brutto 900 Euro bekommen – was kann es schöneres geben, als gezwungenermassen für Vater Staat zu einem Hungerlohn zu arbeiten? So etwas kennt man doch sonst nur aus Ländern wie dem kommunistischen China. Natürlich sollen durch die Bürgerarbeit keine regulären Jobs verdrängt werden (prust!), was ja schon bei den sogenannten 1-Euro-Jobs (in Fachkreisen auch Arbeitsgelegenheiten genannt) hervorragend geklappt hat.

Wir warten gespannt auf weitere lustige Vorschläge wie zum Beispiel Arbeitslager für die Bürgerarbeiter oder eine „Bürgerlegion“ für unsere Bundeswehr.

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