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2010/06/17 / halbnachvoll

Der „überraschende“ Rohstoffreichtum Afghanistans


Wer bisher immer noch glaubt, der Krieg in Afghanistan diene vorrangig der Zerschlagung terroristischer Vereinigungen oder gar dem Wohlergehen und dem Schutz der afghanischen Bevölkerung, wurde eines Besseren belehrt. In der Online-Ausgabe der New York Times vom 14.06.2010 wird dargestellt, dass es in dem Land Bodenschätze mit einem geschätzten Wert von mehr als 908 Milliarden US-Dollar gibt. Das kommt jetzt aber echt überraschend, wenn man dem allgemeinen Tenor in der Presse folgt. Oder vielleicht auch doch nicht? Auf Telepolis zum Beispiel findet sich ein Artikel vom 13.10.2001, in dem bereits auf die Relevanz der Bodenschätze in Afghanistan für militärische Aktionen der US-Armee gegen Terroristen in diesem Land hingewiesen wird. Zwar geht es in diesem Artikel eher um fossile Brennstoffe und Afghanistans strategisch wichtige Lage für den Bau von Pipelines. Allerdings wusste man auch schon zu dem Zeitpunkt neben den großen Lapislazuli-Vorkommen von bedeutenden Eisenerz- und Kupfervorkommen sowie von anderen „Mineralien wie Blei, Zink, Gold, Silber, Asbest, Glimmer, Schwefel, Beryll“, wie sich in einer kurzen Studie des Südasien-Instituts der Universität Heidelberg aus dem Jahre 2001 nachlesen lässt. Dass Afghanistan reich an Bodenschätzen ist, ist also grundsätzlich ein alter Hut. Warum aber hängt man das jetzt so an die große Glocke?

Irritierend finde ich zunächst einmal, dass in dem Artikel der Times gerade ein amerikanischer General dazu Stellung nimmt: “There is stunning potential here,” und “There are a lot of ifs, of course, but I think potentially it is hugely significant.” – ja warum bitte ist ein General der Streitkräfte der USA denn so begeistert von den Rohstoffvorkommen? Macht das den Einsatz der Truppen in irgend einer Weise sicherer? Die Erklärung wird wohl sein, dass der General froh ist, dass man mit den Bodenschätzen in Afghanistan so prima Kohle scheffeln kann, dass die Armee entgegen der Pläne doch nicht so schnell abgezogen wird. Schliesslich wird die afghanische Regierung die Schürfrechte an den Rohstoffen – also an dem Eigentum der afghanischen Bevölkerung – mit Freuden an ausländische Investoren zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes verscherbeln wollen.

Als wirtschaftswissenschaftlicher Laie bin ich da vielleicht zu blöd, da die richtigen Schlussfolgerunge zu ziehen, aber wäre es für die afghanische Bevölkerung nicht besser, sich die Technologie zum Betrieb der Minen aufzukaufen und selbst eine entsprechende Wirtschaft auf die Beine zu stellen, anstatt zu sagen „Wir haben die entsprechende Technik nicht, also brauchen wir ausländische Minenbetreiber“? Wenn der Wert der Vorkommen doch so unglaublich hoch ist, dürfte es doch auch kein Problem sein, für dieses Unterfangen Kredite zu bekommen. Dass ausländische „Investoren“, was die Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit angeht, nicht unbedingt umweltverträglicher und nachhaltiger arbeiten, ist spätestens nach dem Öldesaster von BP klar.

Auch für den Rücktritt unseres Bundespräsidenten Horst Köhler sind die Meldungen relevant, zeigen sie doch dass die ganzen heuchlerischen Vorwürfe gegen seine Aussage, in Afghanistan würden auch unsere wirtschaftlichen Interessen verteidigt, entweder aus Scheinheiligkeit oder Dummheit resultierten. Nicht, dass ich jetzt tief traurig über den Rücktritt wäre, ich sehe das eher neutral, zumal Herr Köhler auch anstatt die Vorwürfe als das klarzustellen was sie sind,  ja eher seine Formulierungen nicht im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz gemeint haben will.

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