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2010/05/21 / halbnachvoll

Höhere Löhne in der Zeitarbeit und in der Theorie


Arbeitgeberverbände sind ja bekanntlich gemeinnützige Vereinigungen, denen nur das Wohl ihrer Arbeitnehmer am Herzen liegt – einen weiteren Beweis dieser These liefern derzeit die Arbeitgeberverbände in der Leiharbeitsbranche (lieber hören sie ja die Bezeichnung „Zeitarbeit“ oder nennen sich wohlklingend Personal-Service-Agenturen). Ganz plötzlich stellen sie fest, dass es zum Beispiel in den Niederlanden Leiharbeitnehmer nach einer kurzen (höhö) Durststrecke von nur 18 Monaten die gleichen Löhne bekommen wie die Festangestellten des entleihenden Unternehmens. „So ähnlich könnte man sich das in Deutschland auch vorstellen“ – kein Wunder. So stellen Studien des IAB zur Verweildauer eines Arbeitnehmers beim Verleiher fest, dass 53,1% von ihnen nur 3 Monate oder weniger für den Verleihbetrieb gearbeitet haben. Mir ist allerdings schleierhaft, warum in dem Bericht ab 3 Monaten nicht mehr unterteilt wird, sondern nur noch von „3 Monate oder mehr“ die Rede ist. Ausgehend von den vielen extrem kurzen Arbeitsverhältnisse kann man allerdings kaum annehmen, dass ein Großteil länger als 18 Monate bei der Leiharbeitsfirma beschäftigt ist. Da kann man sich schon mal prima risikolos großzügig geben.

Es kommt aber noch relativierender: Der Arbeitgeberverband BZA hält eine gleiche Bezahlung nämlich nur dann für möglich, „wenn es der Auftrag hergibt„. Wie sollen wir das denn nun verstehen? Wenn der entleihende Betrieb also sowieso auch für seine Festangestellten nicht viel zahlt? Ich hoffe nicht, dass so eine schwammige Formulierung tatsächlich Einzug in einen Tarifvertrag findet.

Wie bei jeder Aussage gibt es naturgemäß auch diesmal wieder Gegenstimmen. So ist Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser gegen eine gleiche Bezahlung von Leiharbeitnehmern. Als ich die Begründung las, konnte ich kaum glauben, was er da von sich gab: Die Leiharbeitnehmer könnten nämlich deswegen nicht den gleichen Lohn erhalten, da sie nicht „den gleichen Beitrag zur Wertschöpfung leisten“ würden. Diese Aussage kann in zweierlei Hinsicht wohl aus der Arbeit von nicht mehr als zwei Gehirnzellen entwachsen sein. In den meisten Fällen legt sich nämlich der Großteil der Leiharbeitnehmer deutlich mehr ins Zeug, als die Festangestellten – wird ihnen doch immer weisgemacht, dass sie durch harte Arbeit eventuell im Betrieb fest angestellt werden (was die obengenannte Studie sowie zahlreiche andere jedoch in der Regel widerlegen). Und wenn die Leiharbeitnehmer tatsächlich so viel weniger zum Ergebnis beitragen, warum heuert man dann in immer größerem Maß ebendiese von den Zeitarbeitsfirmen an? Wie läuft da ein beispielhafter Gedankenvorgang ab, etwa so: Och nö, die blöden Leiharbeiter bringen es ja total nicht, stellen wir besser noch mehr von denen ein und sparen uns stattdessen ein paar feste Stellen. Richtig, mit solch rationalen Entscheidungen in der Wirtschaft kann es mit Deutschland ja nur vorwärts gehen. Gut dass wir solche Leistungsträger haben – gut für solche Leistungsträger, dass sie selbst von allen anderen getragen werden, sonst würde ihnen die Leistung am Ende noch zu schwer…

Hier noch der Link zum entsprechenden Artikel der fr-online.de

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