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2010/03/12 / halbnachvoll

Wieviele Briefdienstleister braucht der Mensch?


Das Briefgeschäft ist größtenteils ein Monopol der Post. Einige finden, dass es in diesem Bereich viel mehr Konkurrenz geben sollte. Die Begründung (die eigentlich immer vorgeschoben wird): Das ist besser für die Kunden. Ist das wirklich so? Einmal angenommen, es gibt in meinem Ort zehn verschiedene Briefdienstleister. Wenn ich jetzt einen bestimmten Brief losschicken wollte, müsste ich dann – um das vielfältige Angebot optimal zu nutzen – die Preise und Größenangaben aller Dienstleister vergleichen. Das dürfte dann schon mal einige Zeit in Anspruch nehmen. Danach wäre es ganz gut zu wissen, wo man denn jetzt den Brief abgeben kann. Da die verschiedenen Anbieter sich bestimmt nicht gerne eine Partner-Filiale teilen wollen, gibt es dann im Extremfall zehn verschiedene Anlaufstellen. Bis ich das alles rausgefunden habe sind bestimmt 30 – 60 Minuten vergangen. Für den Zeitaufwand habe ich dann vielleicht eine Ersparnis von ein paar Cent. Für Unternehmen oder Behörden mit viel Briefverkehr mögen da schon mal ein paar Euro zusammenkommen, Privatleute haben davon keinen nennenswerten Nutzen. Da sich der Versand eines Briefes nicht unbedingt dafür eignet, kreative neue Dienstleistungen zu schaffen (zumindest fällt mir jetzt auf Anhieb nichts dazu ein), wird die Konkurrenz wohl wieder einmal über den Kostenfaktor Lohn laufen, wie man schön am Beispiel PIN jetzt gesehen hat. Lohnkürzungen um 16% und mehr. Ein Blick auf die Seiten der PIN AG zeigt unter anderem die Seite „Philosophie“. Dort wird angepriesen, dass sie „schneller, preiswerter, zuverlässiger“ seien als die Konkurrenz. Die Betonung liegt wohl auf „preiswerter“ (ob man die Motivation und damit auch die erwähnte Zuverlässigkeit der Mitarbeiter dadurch erhöht, dass man ihren Lohn so stark kürzt darf bezweifelt werden), denn weiter unten findet sich als weitere Philosophie des Unternehmens: „Mit den wirtschaftlichen Preisen der PIN Mail AG erzielen Sie sofort Einspareffekte bei hochwertigen Leistungen. Sparen Sie sofort über 18% der Portokosten!“. Ich ergänze mal ganz frei: „dafür dürfen Sie bald mit Ihren Steuern und Abgaben die Hartz-IV-Aufstockung unserer unterbezahlten Mitarbeiter übernehmen. Also versenden Sie möglichst viel mit uns, damit die eingesparten Portokosten die höheren Transferleistungen übertreffen und am Ende statt der Konkurrenz dann wir das Monopol haben!“ Der Trick könnte aufgehen, zumindest so lange, bis der nächste Anbieter gegründet wird, der seinen Mitarbeitern noch weniger zahlt oder seine Firma als gemeinnützige Einrichtung ausgibt und das Ganze von 1-Euro-Jobbern erledigen lässt.

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