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2010/02/25 / halbnachvoll

Dekadenz


Momentan ist sie dank unseres Aussenministers in aller Munde – die spätrömische Dekadenz. Endlich merkt mal einer was hier los ist! Da wären zum Beispiel die Banken, denen der angeblich doch so fiese geldsaugende Vampir Staat mit einem ganzen Batzen Geld aus ihren dekadente Casino-Verlusten geholfen hat. Die trotz dieses Sachverhaltes ausgezahlten Boni und die wir-machen-so-weiter-wie-vorher-auch-wenn-alles-zusammenfällt-Mentalität könnte man durchaus als dekadent bezeichnen. Aber der Guido meinte diese ja nicht. Es ging mal wieder das von Wohltaten nur so überlaufende Füllhorn des verschwenderischen Sozialstaates. Hört man dem Herrn Westerwelle zu, könnte man meinen, sämtliche Sozialausgaben flössen ausschliesslich an arbeitslose Hartz-IV-Empfänger. Konsequent verschwiegen werden zum Beispiel (neben Renten, Zuschüssen zur Arbeitslosenversicherung und zur Krankenversicherung u.s.w.) die 1,346 Millionen Menschen (Stand Mitte 2009), die trotz Arbeit so wenig Geld bekommen (ich schreibe hier bewusst nicht „verdienen“), dass sie zusätzlich auf Hartz-IV angewiesen sind. Im Jahr 2007 besaßen von diesen sogenannten „Aufstockern“ ca. 420.000 Personen eine Vollzeitstelle. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind da bestimmt noch einige hinzugekommen. Diesen Menschen kann man wohl kaum Dekadenz vorwerfen, auch wenn der Staat den Niedriglohnsektor jährlich auf diese Weise mit ca. 4 Milliarden Euro bezuschusst. Die Arbeitgeber in diesem Bereich können sich freuen, sparen sie sich somit ja einen Großteil des Lohns und der damit verbundenen Ausgaben und alle Bürger kommen für die Differenz auf. Da bleibt wenigstens mehr Kohle fürs Schweizer Bankkonto oder eine künstliche Nasenhaarverlängerung übrig! Das steht diesen Leuten aber auch zu, immerhin handelt es sich hierbei um Deutschlands superinnovative Unternehmer, die ja in nächtelanger Denkarbeit unheimlich ausgeklügelte Methoden ersinnen, mit denen sie sich erfrischend von der Konkurrenz abheben: Wir machen genau das gleiche wie alle Anderen – nur mit billigeren Arbeitskräften. Solche „Arbeitgeber“ sind bestimmt auch traurig, dass sie nicht einfach ein paar Sklaven importieren können, die dann noch billiger arbeiten könnten. Dann hätten sie endlich auch mal was von der spätrömischen Dekadenz von der der Westerwelle da spricht!

Links zum Thema:

Die genannten Zahlen stammen aus einer DGB-Studie zum Thema „5 Jahre Hartz-IV – Keine Erfolgsstory

Ein Artikel der sueddeutsche.de vom 11.02.2010 mit dem Titel „Was ist Dekadenz?

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